Unwort aus dem Jahr 2000 (20070410)
Ich
finde, ein würdiger Preisträger. Betriebswirtschaftlich schwachsinnig,
deutsch voll daneben. Und erst der intelektuelle Anspruch. Was braucht
es mehr. Meiner Ansicht nach wird sich in spätestens einem bis maximal
zwei Jahren herausstellen, daß auch der praktische Hintergrund hinter
dieser Wortschöpfung an der Praxis vorbeigeschrammt ist. Dann nämlich,
wenn die Gewerbeanmeldungen sich mit den Abmeldungen mal wieder die
Waage halten werden, sprich die Pleiten die Neugründungen aufwiegen.
Ich hänge mich hier einmal an einer Verlautbarung auf, die aus dem
Umfeld des Arbeitsamtes kam, wonach die Ich - AG´s (Herrlich, dieses
Deutsch - so etwas lebt, und Goethe musste sterben) für bestehende
Unternehmen keine wesentliche Problematik darstellen werden. Diese
würden sich mehr im Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe ansiedeln
(Der Spiegel, 4/2003). Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Die
momentane Lage - und die wird wohl noch eine Weile so bleiben - ist ja
nur die, daß der normale Verbraucher immer weniger Reales zum Ausgeben
in der Tasche hat und sich dementsprechend bedeckt hält. Da ist es
natürlich nur logisch, daß er seine paar Kröten in jede Menge
Dienstleistungen aller Art und kleine Einzelhändler steckt. Und die
bestehenden Unternehmen machen es genauso. Ein Einzelhandelssterben im
Kleinbereich hat es übrigens nie gegeben. Ich frage mich ernsthaft, ob
gewisse Leute eigentlich für ihre Weltfremdheit bezahlt werden, oder
für die Arbeit, bei der sie ihre Sessel warmhalten.
Und es wird
natürlich auch einmal wieder gefördert. Was nicht gefördert
wird, ist das betriebswirtschaftliche Denken bei den bedauernswerten
Mitbürgern, die sich auf ein derartiges Wagnis einlassen. Natürlich
möchte ich hier nicht alles und alle über einen Kamm scheren. Aber wenn
man sich gewisse Statistiken ansieht, kann man schon einmal auf den
Gedanken kommen, daß Begriffe wie Standortanalyse, Kostenrechnung oder
betriebliche Kennziffern etwas ehrenrühriges haben müssen. Aber
Hauptsache, ersteinmal gefördert. Drei tolle Jahre. Welch ein Zufall,
daß dies auch die Frist ist, nach der ein noch vorhandener Anspruch auf
Arbeitslosenunterstützung abläuft. Wenn ich meine zynischen 5-Minuten
hätte, würde ich sagen, was bei einem finanziell abgesicherten und
liquidem Unternehmen wie einer Ich - AG (habe ich hier eigentlich schon
irgendwo das Wort Einzelkaufmann mit allen seinen rechtlichen
Konsequenzen gehört?) in zwei Jahren nicht geklappt hat, wird auch in
drei Jahren nicht klappen. Mir kommt das eher vor, als hätte da jemand
die Hoffnung, ein paar Vergessliche auf ihre Kosten aus einer
bestimmten Statistik zu kippen.
Ich kann jedem
Interessierten nur raten, eine grundsolide
Kostenrechnung bis hinunter zum Toilettenpapier für seine Ich - AG (und
natürlich für sich) aufzumachen. Und am besten die Förderung nicht mit
einzuberechnen. Ein Pessimist wird nie enttäuscht.