Alteisen
und Schrott - ein paar
Gedanken zum Thema Arbeitsalter und zu einer Form der Kurzsichtigkeit,
bei der auch der Optiker nichts mehr rettet. (20070615)
Manche
sterben gerne in Schönheit, statt in halbwegs geregelten Umständen zu
leben, - manche blicken soweit in die Zukunft, daß selbst das Brötchen
holen am nächsten Morgen den Umfang ihrer Planung sprengt, manche
müssen in ihren PA schauen, um auf ihr eigenes Alter zurückzukommen,
- manche wissen offensichtlich nicht einmal, welchen Zeitraum ein
Viertel-Jahrhundert in Bezug auf Arbeitsalter ausmacht (usw., usw.).
Es hat den Eindruck, daß alle diese
Eigenschaften und ein paar mehr auf
nicht gerade wenige Personalentscheider in Deutschland zutreffen. Wie
anders ist es zu erklären, wenn man Stellenangebote liest, in denen
die Altersgrenze für Bewerber inzwischen im Regelfall bei 35 Jahren
liegt, in denen für den Außendienst im Fleisch - und Wurstwarenverkauf
ein Studium mit Diplom verlangt wird, wo man an anderer Stelle im
Innendienst Diplombetriebswirt sein muss, allerdings nicht älter als
25 Jahre, dafür aber mit Berufserfahrung. wo man über Stellenangebote
stolpert, die nur den Zweck haben, den Arbeitsmarkt auf Bewerberseite
auszuloten. Polemik? Realität in Deutschland. Mit solchen Beispielen
liese sich eine eigene WEB-Site füllen, würde man sich die Mühe
machen. Wäre es nicht ein erbärmliches Armutszeugnis für eine (noch)
funktionierende Volkswirtschaft und bittere Realität für jeden
betroffenen Arbeitssuchenden, man könnte sich ueber solche Beispiele
aus Michelland bepissen vor Lachen.
Man stelle sich nur einmal
eine(n) 40-jährige(n) Arbeitssuchende(n) vor: In nicht gerade wenigen
Fällen zu alt, dummerweise aber auch 10 Jahre zu jung - sonst würde
die Gießkanne des Arbeitsamtes wieder ihre Wirkung tun. Zu alt? Nach
dem heutigen Rentenalter noch über ein Vierteljahrhundert bis zur
Rente! So mancher sogenannte Personalentscheider täte gut daran,
einmal zu überlegen, ob es seinen Laden bis dahin überhaupt noch gibt.
Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird dadurch ein
Erfahrungspotential
vernachlässigt, daß sich kaum in einen Messwert pressen lässt. Hinzu
kommt noch die soziale Komponente eines ausgeglichenen Altersniveaus
innerhalb eines Betriebes. Ganz zu schweigen von einer immer mehr
vergreisenden Gesellschaft, die sich hier auch noch den Luxus einer
irrationalen Altersarbeitslosigkeit leistet. Aber zum Glück gibt es ja
noch die Ausrede der mangelnden Arbeit. Also nur nicht an generellen
Problemen rühren.
Immerhin gibt es Hilfe in Form von
Bewerbungstrainingskursen und ähnlichem. Da kann man sich dann als
Betroffener fühlen, wie ein Fussgänger, der eine tolle Reflektorjacke
bekommen hat, weil blinde Autofahrer unterwegs sind. Vielleicht sollte
man sich an dieser Stelle einmal ganz bewusst provozierend fragen, wer
zum alten Eisen und auf den Schrott gehört