gedanken

 Norman Oelker

 

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Alteisen und Schrott - ein paar Gedanken zum Thema Arbeitsalter und zu einer Form der Kurzsichtigkeit, bei der auch der Optiker nichts mehr rettet.

Manche sterben gerne in Schoenheit, statt in halbwegs geregelten Umständen zu leben, - manche blicken soweit in die Zukunft, daß selbst das Brötchen holen am naechsten Morgen den Umfang ihrer Planung sprengt, manche muessen in ihren PA schauen, um auf ihr eigenes Alter zurueckzukommen, - manche wissen offensichtlich nicht einmal, welchen Zeitraum ein Viertel-Jahrhundert in Bezug auf Arbeitsalter ausmacht (usw., usw.).

Es hat den Eindruck, daß alle diese Eigenschaften und ein paar mehr auf nicht gerade wenige Personalentscheider in Deutschland zutreffen. Wie anders ist es zu erklaeren, wenn man Stellenangebote liest, in denen die Altersgrenze für Bewerber inzwischen im Regelfall bei 35 Jahren liegt, in denen für den Aussendienst im Fleisch - und Wurstwarenverkauf ein Studium mit Diplom verlangt wird, wo man an anderer Stelle im Innendienst Diplombetriebswirt sein muss, allerdings nicht aelter als 25 Jahre, dafuer aber mit Berufserfahrung. wo man ueber Stellenangebote stolpert, die nur den Zweck haben, den Arbeitsmarkt auf Bewerberseite auszuloten. Polemik? Realitaet in Deutschland. Mit solchen Beispielen liese sich eine eigene WEB-Site fuellen, wuerde man sich die Muehe machen. Waere es nicht ein erbaermliches Armutszeugnis für eine (noch) funktionierende Volkswirtschaft und bittere Realitaet für jeden betroffenen Arbeitssuchenden, man koennte sich ueber solche Beispiele aus Michelland bepissen vor Lachen.

Man stelle sich nur einmal eine(n) 40-jaehrige(n) Arbeitssuchende(n) vor: In nicht gerade wenigen Faellen zu alt, dummerweise aber auch 10 Jahre zu jung - sonst wuerde die Gießkanne des Arbeitsamtes wieder ihre Wirkung tun. Zu alt? Nach dem heutigen Rentenalter noch über ein Vierteljahrhundert bis zur Rente! So mancher sogenannte Personalentscheider taete gut daran, einmal zu ueberlegen, ob es seinen Laden bis dahin ueberhaupt noch gibt.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird dadurch ein Erfahrungspotential vernachlaessigt, daß sich kaum in einen Messwert pressen laesst. Hinzu kommt noch die soziale Komponente eines ausgeglichenen Altersniveaus innerhalb eines Betriebes. Ganz zu schweigen von einer immer mehr vergreisenden Gesellschaft, die sich hier auch noch den Luxus einer irrationalen Altersarbeitslosigkeit leistet. Aber zum Glueck gibt es ja noch die Ausrede der mangelnden Arbeit. Also nur nicht an generellen Problemen ruehren.

Immerhin gibt es Hilfe in Form von Bewerbungstrainingskursen und aehnlichem. Da kann man sich dann als Betroffener fuehlen, wie ein Fussgaenger, der eine tolle Reflektorjacke bekommen hat, weil blinde Autofahrer unterwegs sind. Vielleicht sollte man sich an dieser Stelle einmal ganz bewusst provozierend fragen, wer zum alten Eisen und auf den Schrott gehoert