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Alteisen
und Schrott - ein paar Gedanken zum Thema Arbeitsalter und zu einer
Form der Kurzsichtigkeit, bei der auch der Optiker nichts mehr rettet. Manche sterben gerne in Schoenheit, statt in halbwegs
geregelten Umständen zu leben, - manche blicken soweit in die
Zukunft, daß selbst das Brötchen holen am naechsten Morgen
den Umfang ihrer Planung sprengt, manche muessen in ihren PA schauen,
um auf ihr eigenes Alter zurueckzukommen, - manche wissen offensichtlich
nicht einmal, welchen Zeitraum ein Viertel-Jahrhundert in Bezug
auf Arbeitsalter ausmacht (usw., usw.). Es hat den Eindruck,
daß alle diese Eigenschaften und ein paar mehr auf nicht gerade
wenige Personalentscheider in Deutschland zutreffen. Wie anders
ist es zu erklaeren, wenn man Stellenangebote liest, in denen die
Altersgrenze für Bewerber inzwischen im Regelfall bei 35 Jahren
liegt, in denen für den Aussendienst im Fleisch - und Wurstwarenverkauf
ein Studium mit Diplom verlangt wird, wo man an anderer Stelle im
Innendienst Diplombetriebswirt sein muss, allerdings nicht aelter
als 25 Jahre, dafuer aber mit Berufserfahrung. wo man ueber Stellenangebote
stolpert, die nur den Zweck haben, den Arbeitsmarkt auf Bewerberseite
auszuloten. Polemik? Realitaet in Deutschland. Mit solchen Beispielen
liese sich eine eigene WEB-Site fuellen, wuerde man sich die Muehe
machen. Waere es nicht ein erbaermliches Armutszeugnis für
eine (noch) funktionierende Volkswirtschaft und bittere Realitaet
für jeden betroffenen Arbeitssuchenden, man koennte sich ueber
solche Beispiele aus Michelland bepissen vor Lachen. Man
stelle sich nur einmal eine(n) 40-jaehrige(n) Arbeitssuchende(n)
vor: In nicht gerade wenigen Faellen zu alt, dummerweise aber auch
10 Jahre zu jung - sonst wuerde die Gießkanne des Arbeitsamtes
wieder ihre Wirkung tun. Zu alt? Nach dem heutigen Rentenalter noch
über ein Vierteljahrhundert bis zur Rente! So mancher sogenannte
Personalentscheider taete gut daran, einmal zu ueberlegen, ob es
seinen Laden bis dahin ueberhaupt noch gibt. Auf dem deutschen
Arbeitsmarkt wird dadurch ein Erfahrungspotential vernachlaessigt,
daß sich kaum in einen Messwert pressen laesst. Hinzu kommt
noch die soziale Komponente eines ausgeglichenen Altersniveaus innerhalb
eines Betriebes. Ganz zu schweigen von einer immer mehr vergreisenden
Gesellschaft, die sich hier auch noch den Luxus einer irrationalen
Altersarbeitslosigkeit leistet. Aber zum Glueck gibt es ja noch
die Ausrede der mangelnden Arbeit. Also nur nicht an generellen
Problemen ruehren. Immerhin gibt es Hilfe in Form von Bewerbungstrainingskursen
und aehnlichem. Da kann man sich dann als Betroffener fuehlen, wie
ein Fussgaenger, der eine tolle Reflektorjacke bekommen hat, weil
blinde Autofahrer unterwegs sind. Vielleicht sollte man sich an
dieser Stelle einmal ganz bewusst provozierend fragen, wer zum alten
Eisen und auf den Schrott gehoert |