gedanken

 Norman Oelker

 

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 Unwort aus dem Jahr 2000

Ich finde, ein wuerdiger Preistraeger. Betriebswirtschaftlich schwachsinnig, deutsch voll daneben. Und erst der intelektuelle Anspruch. Was braucht es mehr. Meiner Ansicht nach wird sich in spaetestens einem bis maximal zwei Jahren herausstellen, daß auch der praktische Hintergrund hinter dieser Wortschoepfung an der Praxis vorbeigeschrammt ist. Dann naemlich, wenn die Gewerbeanmeldungen sich mit den Abmeldungen mal wieder die Waage halten werden, sprich die Pleiten die Neugruendungen aufwiegen. Ich haenge mich hier einmal an einer Verlautbarung auf, die aus dem Umfeld des Arbeitsamtes kam, wonach die Ich - AG´s (Herrlich, dieses Deutsch - so etwas lebt, und Goethe musste sterben) fuer bestehende Unternehmen keine wesentliche Problematik darstellen werden. Diese wuerden sich mehr im Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe ansiedeln (Der Spiegel, 4/2003). Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen. Die momentane Lage - und die wird wohl noch eine Weile so bleiben - ist ja nur die, daß der normale Verbraucher immer weniger Reales zum Ausgeben in der Tasche hat und sich dementsprechend bedeckt haelt. Da ist es natuerlich nur logisch, daß er seine paar Kroeten in jede Menge Dienstleistungen aller Art und kleine Einzelhaendler steckt. Und die bestehenden Unternehmen machen es genauso. Ein Einzelhandelssterben im Kleinbereich hat es uebrigens nie gegeben. Ich frage mich ernsthaft, ob gewisse Leute eigentlich fuer ihre Weltfremdheit bezahlt werden, oder fuer die Arbeit, bei der sie ihre Sessel warmhalten.

Und es wird natuerlich auch einmal wieder gefoerdert. Was nicht gefoerdert wird, ist das betriebswirtschaftliche Denken bei den bedauernswerten Mitbuergern, die sich auf ein derartiges Wagnis einlassen. Natuerlich moechte ich hier nicht alles und alle ueber einen Kamm scheren. Aber wenn man sich gewisse Statistiken ansieht, kann man schon einmal auf den Gedanken kommen, daß Begriffe wie Standortanalyse, Kostenrechnung oder betriebliche Kennziffern etwas ehrenruehriges haben muessen. Aber Hauptsache, ersteinmal gefoerdert. Drei tolle Jahre. Welch ein Zufall, daß dies auch die Frist ist, nach der ein noch vorhandener Anspruch auf Arbeitslosenunterstuetzung ablaeuft. Wenn ich meine zynischen 5-Minuten haette, wuerde ich sagen, was bei einem finanziell abgesicherten und liquidem Unternehmen wie einer Ich - AG (habe ich hier eigentlich schon irgendwo das Wort Einzelkaufmann mit allen seinen rechtlichen Konsequenzen gehoert?) in zwei Jahren nicht geklappt hat, wird auch in drei Jahren nicht klappen. Mir kommt das eher vor, als haette da jemand die Hoffnung, ein paar Vergessliche auf ihre Kosten aus einer bestimmten Statistik zu kippen.

Ich kann jedem Interessierten nur raten, eine grundsolide Kostenrechnung bis hinunter zum Toilettenpapier fuer seine Ich - AG (und natuerlich fuer sich) aufzumachen. Und am besten die Foerderung nicht mit einzuberechnen. Ein Pessimist wird nie enttaeuscht.