cego - 
eigenerfahrung

 Norman Oelker

 

Cego, ein Kartenspiel aus Baden

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Wie man zum Cego kommen kann

Meine fruehesten Erinnerungen an dieses Kartenspiel reichen ins zarte Alter von knapp 4 Jahren zurueck. Zusammen mit meinen Eltern war ich in meiner Jugend des oefteren in einer Kleingartenvereinskantine zu Besuch, welche von meiner Patentante gefuehrt wurde. Dieser Laubenpiepertreff lag (bzw. liegt, die Vereinskantine existiert immer noch) am Gueterbahnhof von Freiburg. Versehen mit einem Spielplatz und umgeben von Schrebergaerten war die Lokalitaet fuer Kinder ein optimales Refugium. Ringsum Gruen und die Gaerten mit einem Areal kleiner Bewaesserungsbaeche durchzogen - als Kind konnte man es da schon aushalten und die Alten hatten immer einen Grund, wenn es nicht gerade regnete, den Nachwuchs aus der "Rettichbar" (der Name des Vereinsheimes) in die Natur zu entfernen. Selbstverstaendlich nie aus Eigennutz sondern nur zum gesundheitlichen Wohl und Frommen des Nachwuchses, dem frische Luft grundsaetzlich nicht schaden konnte.

Innerhalb der nicht sehr stabilen Waende des Vereinslokales (ein massiver Bau kam erst in spaeteren Jahren, in den Anfangsjahren musste man sogar das Lokal verlassen, um auf die Aussentoilette zu gelangen - "Ausgang rechts, dann wieder rechts, zwei Tueren, nicht die falsche nehmen") wurde damals regelmaessig Zego gespielt. Fuer mich als einen, der noch nicht einmal richtig ueber den Tisch schauen konnte, eine Faszination. Ernstzunehmende Erwachsene, die mit grossen, bunten Bildern spielten, dabei nur herumsassen, nicht allzuviel redeten, ausser, wenn sie alle Bilder auf den Tisch gelegt hatten und sie dann wieder einsammelten, um sie neu zu verteilen. Dann ergoss sich meist ein Wortschwall, der fuer mich auch genau so gut in Chinesisch haette gefuehrt werden koennen. Das Verstaendnis waere dasselbe gewesen. Also waren diese bunten Karten das Objekt meiner Begierde. Gespielt wurde damals meist mit einem Schmidt-Blatt. Fuer Leute meines damaligen Alters das reinste Bilderbuch, insbesondere die Trucks. Im speziellen hatte es mir aber der Stiess mit seiner Mandoline angetan. War ausgegeben worden, ging ich hinter den Spielern entlang und besah mir die Karten. Sofern mein Lieblingsbildchen nicht im Blinden war und ich es entdeckt hatte, rannte ich meist zu meiner Mutter, um ihr lautstark mitzuteilen, wo ich den "Gitarrenmann" diesmal wieder entdeckt haette. Es war eine Zeit, wo ich bei den Zegospielern in der Rettichbar unheimlich beliebt war. Auch meine Mutter fand dies sehr vergnueglich, zumal man sie irgendwann von Seiten der Spielerschaft unisono aufforderte, doch gefaelligst dafuer Sorge zu tragen, dass ich dem Spieltisch fernbliebe.

Im Laufe der Jahre wurde mein Mitteilungsbeduerfniss bezueglich einer bestimmten Spielkarte dann wieder geringer und ich wurde auch nicht mehr automatisch von Tischen entfernt, an denen Zego gespielt wurde. Die Faszination fuer diese Karten und das damit verbundene Spiel blieb aber. Irgendwann im Alter zwischen 10 und 12 hatte ich mir mit Hilfe einer Spielanleitung, welche den Schmidt-Karten beigelegt ist, die Regeln des Zego selbst beigebracht. Von da an war die Aufmerksamkeit, die ich den Spielen in der Rettichbar schenkte, natuerlich von einer anderen Qualitaet. Die Kantine oeffnete in der Regel nachmittags. Es war nicht selten, dass man aeltere, gesetzte Herren an schoenen, sonnigen Tagen im Dunst und Halbdunkel des Vereinslokals stundenlang, mitunter bis in die Abendstunden beim Zego beobachten konnte. Da sass man dann und spielte eine Runde nach der anderen bei einer Zigarre nach der anderen und einer Rotweinschorle oder einem Viertel Wein ueber die ganze Zeit. Letzteres nicht gerade zur Freude meiner Patentante in ihrer Funktion als Wirtin. Die Spiele wurden stets ernsthaft kommentiert und wehe dem, der sich einen allzu ernsthaften Fehler in einem Spiel erlaubte. Solcherlei wurde noch nach Wochen wieder hervorgekramt. Schliesslich ging es auch um immense Betraege. Es kam nicht selten vor, dass ein stolzer Gewinner mit 12 oder gar 20 Pfennig Gewinn, muede aber gluecklich und mit dem Gedanken, es den anderen wieder einmal richtig gegeben zu haben, in den Abendstunden nach Hause trottete. Als Jugendlicher fing ich dann selbst aktiv mit dem Zegospiel an und bin dieses Kartenspiels bis heute nicht ueberdruessig geworden. Wie man sieht, eher im Gegenteil.